Julius Höhlich

So 17:00
Waldbühne 2019

Nach seinem Bühnen-Debüt im Jahr 2016 mit dem gleichzeitigen Gewinn des Musik-Nachwuchsförderpreises und vielen umjubelten Konzerten, veröffentlicht Julius Höhlich gemeinsam mit seiner Band bestehend aus der Schlagzeugerin Jessi Carmon und dem Bassisten und Keyboarder Marc Hinrichsmeyer nun seine Debüt-EP „Lonely Dancer“.
Die EP beweist eindrucksvoll, dass der 21-Jährige Solokünstler mit Bluesrock, langsamen Balladen und Irish Folk Musik entgegen seines jungen Alters ein außergewöhnlicher, musikalischer Zeitreisender ist.
Julius Höhlich ist ein musikalischer Rebell. Seine Geschichten führen an Orte, die mindestens genauso dreckig und verraucht sind wie seine Stimme, wobei er sich endlos an verschiedenen Zeiten orientiert. Seine Devise: Wenn er sein Hamsterrad schon nicht sprengen kann, so will er zumindest aus jedem Pixel eines Moments das Schöne filtern. „Lonely Dancer“, ein geschmeidiges Rock-Riff, führt das Album an. Das Lied schmeckt nach Sex, Drugs and Rock ́n ́Roll und fügt sich nahtlos in eine Reihe mit AC/DC ́s „High Way To Hell“ oder
Springsteens „Born To Run“ ein - von wegen Kippen, Alkohol und Schlägereien!
„Hero For Tonight” riecht nach Flower-Power, der dich lieblich umgarnt und dir ins Ohr flüstert: All You Need Is Love, Baby! Es geht aus einer verrauchten Bar zu einer freien, gutgelaunten Liebesromanze. Damit beweist Julius Höhlich wie er unkompliziert und befreit mit den musikalischen Stilmitteln spielt.
Der zweite Song der EP trägt die musikalische Note der Beatles und die Unbeschwertheit eines jungen Mannes. Die Frage, wo er im Leben steht, kümmert ihn nicht. Das Leben im Hier und Jetzt und seine Freiheit genießt er dafür in vollen Zügen. „Same Old Thing“ ist das langsamste Stück, das sich trotz aller Melancholie kraftvoll steigert und sich aus den starren Fängen des biederen Lebens losreißt. Ein roher Schrei eines Musikers, der sich nach nichts mehr sehnt als Veränderung. Alles steht auf Messers Schneide: Alles ist vergänglich und so schmerzlich das Leben auch sein kann – es geht weiter und es ist die Aufgabe, das Beste daraus zu machen. Ungeniert zieht sich der Künstler für diesen Track aus: Ein emotionaler Striptease, der nach einem harmlosen, unschuldigen Anfang immer wilder wird und schließlich die nackte Wahrheit entblößt.
Der ungewöhnlich dreckige Bluesrock „Don ́t“, dient als Ventil für den 21-Jährigen. Es verhindert das Implodieren.
„Streets Of New Orleans“ ist eine Hommage an all die Künstler aus einer längst vergangenen Epoche, in der Julius Höhlich sozialisiert und aufgewachsen ist. Hier finden Größen wie BB King, CCR oder Terry Jacks wieder an Bedeutung und rundet die EP ab. Mit seinem Album „Lonely Dancer“ rebelliert Julius Höhlich gegen die Fast-Food-Musikindustrie. In der falschen Zeit geboren, fährt Julius Höhlich den erdig knackigen Stil längst vergessener Stile auf.
Unbekümmert dreht er weiter seine Runden. Und das wird ewig so weitergehen. Ewig.